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Somatische Marker

Gute Entscheidungen treffen – unter Einbeziehung von Intuition und somatischen Markern

Der Begriff “somatische Marker” geht auf den Neurowissenschaftler Antonio Damasio zurück. Unser Körper bewertet alle Erfahrungen, die wir machen, und reagiert daraufhin auf neue Situationen mit positiven oder negativen Signalen. Nach der SMH – somatic marker hypothesis – sind emotionale Erfahrungen im Menschen verkörperlicht und beeinflussen so Entscheidungen. Antonio Damasio hat Patienten beobachtet, deren Frontalhirn z. B. durch einen Unfall geschädigt wurde – bei gleich bleibender Intelligenz. António Damásio leitete daraus ab, dass in dem verletzten ventromedialen präfrontalen Cortex “somatische Marker” nicht weiter abgerufen werden könnten, die sonst bei Entscheidungen aktiviert würden. Diese “somatischen Marker” entstünden aus bereits erworbenen Erfahrungen, die Alternativen und Konsequenzen einer Handlung – mit einer positiven oder negativen Emotion behaftet – körperlich “markieren”.

Im Klartext: Haben wir keinen Zugang zu unseren “somatischen Markern”, unseren emotionalen Bewertungen, haben wir Schwierigkeiten richtig zu entscheiden. Wenn wir Gefühle und Körperempfindungen als Hemmnisse verstehen, die es zu überwinden gilt oder die im “Business- oder Leistungskontext” nicht adäquat seien, berauben wir uns einer immensen Chance. Appelle wie “Sei doch vernünftig!” oder “Jetzt denkʼ doch endlich mal nach!” werten Emotionen ab, das ist erfahrungsgemäß wenig hilfreich. Denn: Diesen unbewussten emotionalen Wissensschatz können wir im Alltag nutzen, schon allein deswegen, weil sich Emotionen sowieso nicht wegdiskutieren lassen!

Wie wir die Verknüpfung von Visualisierung und somatischen Markern nutzen können

Um einen somatischen Marker auszulösen, reicht die Vorstellung einer Situation. Für unser Gehirn gibt es nur die Gegenwart; was wir uns gerade vorstellen, ist gegenwärtig. Wenn wir uns bei einer Prüfung vorstellen, wie uns ein Prüfer “zerlegt” oder wir einen “Blackout” haben, rufen wir andere körperliche Reaktionen hervor als bei der Visualisierung vorangegangener Erfolge. Somatische Marker wahrzunehmen und die richtige Situation zu visualisieren, erfordert Fokussierung.. Für Führungskräfte und Sportler bieten sich daher mentale bzw. hypno-systemische Techniken an, wie z. B. Probeläufe schwieriger Entscheidungen oder herausfordernder Auftritte und Wettkämpfe, indem man sie im Geiste vorwegnimmt und dabei gleichzeitig an positive Erfahrungen denkt.

Somatische Marker proaktiv nutzen – durch die richtige Fragetechnik

Führungskräfte, Teams und Unternehmen gewinnen auch zielführenden Fokus dadurch, dass sie Fragen adäquat und gehirngerecht formulieren. Statt zu fragen; “Wie retten wir das Unternehmen vor der feindlichen Übernahme?”, könnte man die Frage stellen: “Was brauchen wir, um als Unternehmen autonom und unabhängig zu bleiben?”. Die erste Frage fokussiert uns unwillkürlich auf die “feindliche Übernahme”, während die zweite Frage uns dazu bringt, nach unseren Ressourcen zu suchen und eine positiv besetzte Zukunft zu visualisieren.

Schnelle Analysen und Entscheidungen bringen somatische Marker auch durch eine gezielte Mischung rationaler Vorgehensweisen und Fragen, die auf Intuition und somatische Marker zielen “Wenn wir diese Maßnahmen so beschließen, wie ausreichend auf einer Skala von 1 – 10 sind diese für die Zielerreichung zum Zeitpunkt x?”. Was passiert bei dieser Frage? Es wird mental die Zeit bis zum Zeitpunkt x durchsimuliert, und was da so alles passiert. Das Resultat ist oft, dass man auf Hindernisse stößt, die man beachten sollte oder auf die Kollision mit anderen Vorhaben, die den ambitionierten Zeitplan zunichtemachen können. Der Nutzen: Hindernisse können proaktiv erkannt und Prioritäten anders gesetzt werden, damit in der Realität keine Konflikte sowie Terminkollisionen entstehen. In diesem Fall wird durch den kurzen simulierten Realitätscheck die Entscheidungs- und Umsetzungsqualität deutlich verbessert. Ein intelligentes Coaching, eine gezielte Teamentwickung oder Workshopdesign berücksichtigen immer auch die somatischen Marker, damit wir schneller und agiler sind, und wir adäquat entscheiden.

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